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Einmal jährlich werden die von Gastro-Kritiker Jürgen Dollase und Wein-Kolumnist Stephan Reinhardt gekürten Köche und Winzer bzw. Weine des Jahres 2022 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vorgestellt.

Sie finden im F.A.Z. Selection Shop nun 6 Weine der prämierten Weingüter in einem Paket!

Nachfolgend finden Sie die Beschreibungen aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, ergänzt um Beschreibungen des Weinkritikers Fabian Lange, der die Weine zusammengestellt hat.

(F.A.S.)
Rotwein des Jahres
2017 Assmannshausen Höllenberg GG, Weingut Krone Assmannshausen

Die im Dunkeln sieht man nicht. Wohl kaum hat Bert Brecht in der „Dreigroschenoper“ an die Kellermeister des Landes gedacht, aber bitte: Die im Licht waren auch bei den Weingütern Wegeler immer andere. Daher jetzt: Michael Burgdorf, seit 22 Jahren die verlässlichste Konstante des Hauses, zu dem seit 15 Jahren auch die Krone Assmannshausen gehört. (Fast) nichts als Rotwein wird hier erzeugt, Spätburgunder natürlich, immer schon, auf Phyllit-Schiefer, der das Rheinische Schiefergebirge trägt und eben Burgdorfs Rotweine, allen voran das Große Gewächs aus dem Höllenberg. Dieser saftige, salzige und vor allem vitale Wein kommt erst spät in den Verkauf, so wie früher, als deutscher Rotwein noch Assmannshäuser bedeutete. Und dann steht er da: leuchtend rot, fest, markant, kein Charmeur, aber selbstbewusst und terroirgeprägt; ein rigoroser Klassiker der deutschen Rotweinliteratur. Hält ewig.


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(F.A.S.)
Innovation des Jahres
Sophie und Steffen Christmann, Weingut A. Christmann + Sektgut Christmann & Kauffmann, Gimmeldingen, Pfalz

„Innovation“ ist hier eine Auszeichnung dafür, dass sich etablierte Betriebe neu erfinden können. Steffen Christmann ist ja nicht nur Präsident des VDP, des Verbands der Prädikatsweingüter, sondern führt einen Familienbetrieb, der seit einer Generation Spitzenweine erzeugt, allen voran das Große Riesling Gewächs aus dem Königsbacher Idig. Schon 2004 hatte Christmann auf biodynamischen Weinbau umgestellt. Mit Eintritt der Tochter Sophie in den Betrieb ist hier ein Wind durchgerauscht, der alles, was nicht in die absolute Spitzenklasse führt, mit sich riss. Was blieb, ist des Wesens Kern: allerbeste, nur mit Riesling oder Spätburgunder bestockte Weinberge in Ersten und Großen Lagen. Der alte Bauchladen: Geschichte. Noch dazu haben Vater und Tochter mit dem Elsässer Matthieu Kauffmann das Sektgut Christmann & Kauffmann gegründet, das in den kommenden Jahren Weltklasse-Sekte aus Spitzenlagen in den Markt bringen wird. Kauffmann kann das, er war jahrelang Kellermeister bei Bollinger Champagne. Seit hier alles anders ist, ist Steffen Christmann der einzige Winzer, der mit dem Alter immer jünger wird.

(Weinkritiker Fabian Lange)
2021 Riesling trocken „Aus den Lagen“

Der Riesling „Aus den Lagen“ wird aus Weinen komponiert, die von den besten Lagen des Weinguts Christmann stammen, wie zum Beispiel Ölberg, Idig, Meerspinne oder Vogelsang. Er stammt zu einhundert Prozent von Trauben aus biodynamischem Anbau, die nach einer Maischestandzeit spontan ohne Hefezusatz vergären und im Doppelstückfass heranreifen.
Ein für den Jahrgang 2021 exemplarischer Riesling, sehr fein, hochelegant und dabei klar wie ein Bergbach. Dabei scheint die typische Pfälzer Rieslingpower hindurch. Im Duft eher floral, schlank und klar, dafür im Mund sofort sehr präsent. Er erinnert an reife gelbe Steinfrüchte sowie Zitruszesten. Dabei verläuft er sehr stringent und spannungsreich mit vollreifer Frucht und schillerndem, vibrierendem Finale. In den nächsten acht Jahren perfekt zu genießen.

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(F.A.S.)
Schatzkammerwein des Jahres
2009 Wallufer Walkenberg Riesling Auslese Alte Reben, Weingut J. B. Becker, Walluf

Das Weingut von Hans-Josef Becker ist im Rheingau so etwas wie ein gallisches Dorf. Dabei ist Becker kein Rebell, er ist vielmehr ein Bewahrer, ein schnurrbärtiger Schutzpatron des Authentischen. Er benutzt noch immer die alten Prädikate auch für trockene Weine. Die Botschaft: Mein Wein ist naturrein. Nicht aufgebessert, nicht abgeschmirgelt, sondern gottgewollt. Die Spätburgunder sowieso, aber auch die meisten Rieslinge sind herzhaft trocken. Und wenn sie es nicht sind, dann hat Gott das so haben wollen. Wenn Beckers Weine einige Jahre in seinem Keller gereift sind wie die nicht ganz trocken gegorene 2009er Auslese aus dem Walkenberg, die er im Spätsommer wieder in den Verkauf brachte, dann will man jede Flasche allein trinken. Ein Maulvoll Riesling ist das! Viele 2009er hängen heute ja in den Seilen, dieser aber tanzt, schmatzt, bezirzt und preist: den Wallufer Walkenberg.


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(F.A.S.)
Winzerin des Jahres
Dr. Simone Adams, Adams Weine, Ingelheim

Stefan Reinhardt – F.A.Z. Wein-Kolumnist –  hatte vor Jahren schon gewarnt: In Ingelheim am Rhein entsteht etwas, das sich zu verfolgen lohnt. Damals waren Simone Adams’ Weine noch nach Kalibergrößen benannt: je größer, desto doller. Inzwischen benötigt sie Kaliber nur noch bei der Jagd und fokussiert im Weinberg ganz auf das System aus Boden, Pflanze und Licht. Zuweilen kommt es mir vor, als seien ihre Reben ihre Haustiere. Ihre Zeilen stehen auf Kalkverwitterungsböden und tragen Burgundersorten: Chardonnay, Weiß-, Grau- und Spätburgunder. „Emphatischen Weinbau“ hat Adams mal genannt, was sie da auf zehn Hektar tut. Höchst achtsam und kreativ betreibt sie diesen, selbstverständlich nach biodynamischen Kriterien, auf der Suche nach „der Eleganz, dem Puren, der Finesse“. Das Ergebnis sind subtile, sprechende, höchst authentische Ingelheimer Burgunder, an denen selbst Hajo Becker, Preisträger der Kategorie „Schatzkammerwein“, seine Freude haben dürfte.

(Weinkritiker Fabian Lange)
2019 Spätburgunder „Auf dem Haun“

Simone Adams verwendet hier Trauben, die perfekt ausgereift sind, allerdings ohne jedwede Überreife. In diesem außergewöhnlichen Spitzenjahr hat sie zu einhundert Prozent die Rappen (also Stiele) mitvergoren, um den Wein noch feiner und komplexer in der Aromatik zu gestalten und ihm unverwechselbare Aromen mitzugeben, über die nur die vollausgereiften Stiele verfügen.
Der Spätburgunder zeigt im Glas transparentes Granatrot und duftet nach Cassis, Mandeln, Kirschen, einem Hauch Lebkuchen und Noten, die an Bienenwachs erinnern. Auch Anklänge von Herbstwald, Morcheln und Wacholder klinken sich in die Aromatik ein. Im Mund bringt der Wein dann dichte, sehr elegante Gerbstoffe, feine, ausgewogene Säure und Frucht, die das Geschmacksgeschehen dynamisieren. Die feinkörnigen Gerbstoffe sind reif, ausgewogen und bestens integriert. Ein bis in die Spitzen kultivierter Pinot Noir. Jetzt bis mindestens 2025 optimal.

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(F.A.S.)
Süßwein des Jahres
2009 Welschriesling Trockenbeerenauslese, Weingut Velich, Apetlon, Burgenland (A)

Nicht, dass es in Deutschland nicht genügend Weltklasse-Süßweine gibt, aber wer bitte trinkt sie, wenn man sie teuer bezahlt hat, aber dennoch Jahrzehnte darauf warten muss? Die 2009er Trockenbeerenauslese von Heinz Velich im Burgenland reifte bis vor Kurzem im Eichenfass, ohne je eine Schwefelgabe erhalten zu haben. Entsprechend bernsteinfarben ist dieser Welschriesling, der mit Rheinriesling nichts zu tun hat. Unfassbar tief und intensiv im balsamischen Duft, verbindet sich am Gaumen Süße mit Komplexität in Form einer reichhaltigen Textur und Aromenvielfalt, wie sie deutsche Rieslinge erst nach 50 Jahren entwickeln, wenn überhaupt. Dörrfrüchte, Malz, Schwarztee, Orangenzesten, Karamell, dazu die würzig-kristalline Säure des Welschen: Diese TBA ist ein Gedicht.


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(Weinkritiker Fabian Lange)
2020 Ingelheim Weissburgunder

Vom Weingut Adams haben wir noch einen zweiten Wein im Paket, der die faszinierende Leistungsfähigkeit dieser jungen Winzerin unter Beweis stellt. Ihr Weißburgunder erinnert im Duft an reife Birnen, Zitronen und weißen Blüten und ist mit einer Idee von Waldmeister und Kerbel auch ein wenig vegetabil angehaucht. Im Mund zeigt sich dieser Wein richtig trocken und geht kraftvoll-würzig in ein schmelziges Finale über. Die moderate Fruchtsäure verleiht dem Wein Frische und einen saftig-cremigen Verlauf am Gaumen mit herrlichem Nachhall.